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Wie werden wir arbeiten? 5 Thesen für die Postpandemic World

08/04/2021

Unternehmenskultur wird zum Erfolgsfaktor

 

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Martin Krill, Dr. Monika Becker, Thomas Wetzel und Sahar Zabler

 

Die Krise durch COVID-19 hat deutlich gemacht, dass eine gute Führung von vielen wesentlichen menschlichen Faktoren beeinflusst wird: Vertrauen, sozialer Zusammenhalt auch auf Distanz, Anteilnahme, Wertschätzung, Solidarität, Verständnis, Eigenverantwortung, Flexibilität und Toleranz. Alle dies sind Zutaten des Kitts, der uns in solchen herausfordernden Zeiten zusammenhält.

Diese Werte wurden in wenigen Tagen zum Leitmotiv von Führung auf Distanz. Unterstützende Führung war gefragt. Belastungs- und Arbeitszeit-Probleme bekamen in der Krise eine höhere Bedeutung. Mobiles Arbeiten von zu Hause aus war über Nacht vom Benefit zur Notwendigkeit mutiert. Eine Unternehmenskultur zeichnet sich dadurch aus, wie flexibel und unterstützend sie auf neue Umweltbedingungen reagiert. Die Stärke einer Kultur zeigt sich immer dann, wenn sie sich auch in einer sich wandelnden Natur bewehrt. Ein Kulturwandel geht immer auch einher mit der Verlagerung von Verantwortlichkeiten. In der aktuellen Zeit liegen bei den Mitarbeitenden eine noch höhere Eigenverantwortung, eine gute Selbstorganisation und ein realistisches Energie-Management: Wie viel kann, wie viel darf ich mir zumuten?

Die Botschafter einer guten Unternehmenskultur sind Mitarbeitende und Führungskräfte gleichermaßen.

„Eine stabile Unternehmenskultur meistert Krisen, stellt Zielerreichung sicher und sorgt für ein anziehendes Bild nach außen“. Erläutert Thomas Wetzel, Leiter des Bereichs Training & Coaching, Hager.

 

 

Radikaler noch digitaler

Die Technik war schon da, nur genutzt hat sie niemand. Wer hätte sich vor Corona vorstellen können, Workshops und Konferenzen virtuell zu veranstalten? Oder Hybridmodelle auszutesten? Überhaupt dieser Mut, Dinge auszuprobieren, zu improvisieren, auch mal zu scheitern und zu pivotieren. Das ist neu. Und das wird auch nach Corona bleiben. Zusammen mit der Gewissheit, dass alles, was digitalisierbar ist, auch digitalisiert werden sollte. Und alles, was Innovationen begünstigt, nicht – Achtung, der alte Sparreflex – auf die lange Bank geschoben werden wollte.

„Vor der Pandemie gehörten virtuelle Veranstaltungen eher zu den Ausnahmen. Doch seit der Virus alles im Griff hat, haben alle bemerkt, dass es kaum Bereiche gibt, die von der Digitalisierung ausgenommen sind. Viele Unternehmer haben mit Innovationskraft ihren Mut ‚zusammengenommen‘, um neue Wege zu wagen und haben dabei sogar ein Scheitern in Kauf genommen.  Dieser Sinneswandel ist zwar oftmals aus der Not entstanden, aber ganz ehrlich, uns allen wurde bewusst, dass die digitale Transformation auch Erfolge mit sich bringt und ganz nebenbei auch für viele Annehmlichkeiten hat. Daher kann ich jedem und jeder Entscheidungsträger:in nur dringend dazu raten, keine Kehrtwende zu nehmen und zu alten Mustern zurückzukehren. Weiter immer weiter, wie mein Vorbild Oliver Kahn es zu sagen pflegte“, so Martin Krill, geschäftsführender Gesellschafter.

 

Interaktion Mensch-Maschine – eine fruchtbare Verbindung

Es wird in Zukunft gar nicht so sehr auf die Technologie an sich ankommen, sondern auf die Mensch-Technik-Interaktion, sagt Professor Marion A. Weissenberger-Eibl, die am KIT in Karlsruhe den Lehrstuhl für Innovations- und Technologiemanagement leitet. Erst im Zusammenspiel einer modernen Arbeitsorganisation und motivierten Mitarbeitern entfalten Technologien ihr volles Potenzial, glaubt auch Prof. Wilhelm Bauer vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. „Mensch und Technik werden viel allgegenwärtiger interagieren und die Art und Weise, wie wir arbeiten, substanziell verändern.“

„Virtual und Augmented Reality in der Mensch-Maschine Interaktion treten gerade von der Phase des Experimentierens in den breiten wirtschaftlichen Einsatz.  Doch das wird nicht das Ende der Entwicklung sein. In den nächsten Jahren werden wir erleben, wie Maschinen immer komplexere Situationen erfassen und steuern werden. Sie werden für Menschen sehen, hören, fühlen und Entscheidungen treffen. Die Folgen dieser engen Mensch-Maschine Interaktion in ihren Chancen wie Barrierefreiheit und Erweiterung der menschlichen Handlungsmöglichkeiten, aber auch in ihren Risiken wie Hackerangriffe und Missverständnisse in der Mensch-Maschine-Kommunikation werden ein beherrschendes Thema der nächsten Jahre sein.“ Dr. Monika Becker, Business Unit Director Software, Hager Unternehmensberatung

 

Das Büro kommt wieder, nur anders

Dass Homeoffice eine Lösung, aber nicht die Lösung und vor allem keine Dauerlösung ist, würden wir inzwischen alle unterschreiben. Mit Stempel! Das Büro als physischer Ort wird allerdings keinesfalls verschwinden, im Gegenteil, es wird sogar aufgewertet und eine neue Qualität bekommen. Im konkreten Sinn als zentraler Ort der Begegnung und intensiven Zusammenarbeit, im abstrakten Sinn als Verortung der spezifischen Unternehmenskultur. Die liegt buchstäblich in der Luft. Jeder, der eine Firma das erste Mal betreten hat, hat das sofort gespürt – im Positiven wie im Negativen. Was sich allerdings mit Sicherheit verändern wird, ist das Zusammenspiel verschiedener Arbeitsweisen: nach individuellem oder situativem Bedarf wird man die jeweils beste Form wählen: Homeoffice, Inhouse, Co-Working-Spaces oder mobiles Arbeiten. Meetings im Café oder Arbeitsbesprechung beim Spaziergang? Warum nicht? In der Fachliteratur hat sich dafür der Begriff „Activity-Based Flexible Office“ durchgesetzt.

„Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Monaten radikal gewandelt, ist deutlich hybrider geworden. Mehr denn je waren wir gefragt, Altes neu zu denken. Homeoffice hat sich entgegen mancher Vorurteile etabliert. Hier wird es nach der Pandemie kein Zurück zu alten Strukturen geben. Die Zukunft der Arbeit wird digitaler und agiler. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass es im Endeffekt immer die Menschen sind, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen, die den Unterschied im Wettbewerb machen. Die Einbindung moderner Technologien, Gestaltung von Büros auch im Sinne von sozialen Begegnungsstätten, neue Organisationsstrukturen, eine stärkere Fokussierung auf die Unternehmenskultur werden zentralen Aufgaben der Zukunft. Dazu braucht es die richtigen Führungskräfte und die bestmögliche Teamzusammensetzung.“

Erläutert Martin Krill, geschäftsführender Gesellschafter.

Es wird luftiger in den Innenstädten

Der Druck auf die Businessmetropolen war enorm die letzten Jahre, die Preise astronomisch. Die Pandemie hat die Tokioisierung der deutschen Innenstädte massiv ausgebremst. Und siehe da, es geht auch anders, nämlich besser. Weniger Verkehr, dafür mehr Platz im Großraumbüro. Weniger Stress, dafür mehr Zeit für Sport, weil die Zeit fürs Pendeln wegfällt. Wer möchte da zurück zum alten Wahnsinn? Für die Ränder der Metropolen und den ländlichen Raum ergeben sich dadurch ganz neue Perspektiven: Da werden Co-Working-Spaces entstehen und endlich auch in bessere Netze investiert. Leben und Arbeiten im Grünen – wenn das keine guten Aussichten sind. Das wird sich mit der Zeit auch auf die Immobilienpreise für Gewerbe- bzw. Büroflächen auswirken. Das ist nicht für alle eine gute Nachricht, aber für die meisten. Und für Start-ups und den Innovationsstandort Deutschland auf jeden Fall.

„In der Tat ist nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt in einem „Wandel“. Für die einen ist es positiv für die andern negativ, dennoch ist jeder davon betroffen.

Die Innenstadt der Metropolregionen hat zurzeit an Charme verloren, da man fürs Shoppen mittlerweile das Internet nutzt, zum Arbeiten die eigenen vier Wände und zum Kaffee trinken trifft man sich im Dorf.

Ob sich das auf die Büropreise widerspiegelt, werden wir in den nächsten Jahren sehen, dennoch gibt es viele Investoren und Projektentwickler, die in innerstädtische Gewerbeimmobilien investieren.

Demnach ist eine 100%ige Prophezeiung der künftigen Entwicklung sicherlich kritisch zu betrachten“. Bestätigt Sahar Zabler, Business Unit Manager Construction & Real Estate

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